Highlights | Konsumauszeit/No Buy Year

[No Buy Year] Ein Jahr lang nichts kaufen*

29. Dezember 2019

*fast

Als ich neulich auf Twitter erwähnte, dass ich versuche das Jahr 2020 zu meinem „No Buy Year“ zu machen, war das Interesse daran spannenderweise gar nicht so klein, deswegen schreibe ich hier mal ein paar Gedanken dazu auf.

Warum ein Jahr lang nichts kaufen?

Erst einmal ist „nichts“ etwas übertrieben. Natürlich muss ich Dinge kaufen, wie Lebensmittel oder Produkte rund um die Körperpflege, und komplett kein Geld auszugeben ist in meinem Leben auch nicht möglich, denn die Miete und andere Fixkosten müssen leider nun mal von meinem Konto runter und auf andere rauf. Zu den Regeln, meinen Regeln, gleich aber mehr.

Wenn alles gut geht steht im Jahr 2020 ein Umzug an, auf den ich mich schon sehr freue. Zurzeit lebe ich in einer 1-Zimmer-Wohnung, die nur für eine Übergangszeit gedacht war. Das heißt ein Haufen Zeugs aus meinem alten Leben steht noch in der Heimat. Manchmal gruselt mich der Gedanke daran, dass ich hier immer mehr Sachen anhäufe, die bald mit mir umziehen müssen plus das, was noch in der Heimat auf mich wartet. Und ich bin leider ein totaler Bücher-Suchtie. Ich liebe Bücher. Wirklich. Und alle, die schon einmal mit einer kleinen Bibliothek umgezogen sind, wissen, dass das keinen Spaß macht. Aber egal wie sehr ich mir auch sage: „In diesem Monat kaufst du dir keine Bücher!“ – ich schaffe es nie wirklich, weil es immer irgendein Argument gibt, es doch zu tun.

Ist das jetzt ein Schritt Richtung Minimalismus oder was soll das? So spannend ich den Minimalismus-Gedanken finde, ich bin einfach keine Minimalistin. Ich liebe es, Dinge um mich zu haben, die mich an Menschen oder Lieblingsfilme erinnern oder die mich einfach glücklich machen. Gleichzeitig möchte ich nicht immer mehr anhäufen. Es ist für mich eine Mischung aus Minimalismus/dem Hinterfragen von Konsum – brauche ich das wirklich, um kurz glücklich zu sein? – und Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit deshalb, weil ich ohnehin schon versuche, Alltagsgegenstände durch Dinge zu ersetzen, die ich wiederverwenden kann. Die Frischhaltefolie wurde zum Beispiel durch das Bienenwachstuch ersetzt, Wattepads verwende ich seltener, dafür nutze ich welche aus Baumwolle, die dann in die Wäsche kommen. Das sind alles Dinge, die ich schon mal nicht mehr ständig nachkaufen muss.

Im Badezimmer funktioniert es für mich mit dem Minimalismus/No Buy im weiteren Sinne eh schon super: Ich habe die eine Creme, das eine Shampoo, das Lieblingspeeling, nutze quasi nie Conditioner, weil ich meine Haare eh meistens zusammenbinde und da ist es dann auch wurscht, Deo kommt für mich nur von Ponyhütchen und da wird es nachgekauft, wenn es leer ist, ich nutze ein Epiliergerät und muss mich daher nicht ständig um Rasier-Nachschub kümmern, und so weiter. Beim Make-Up ist es ähnlich: Lieblingsmascara, Lieblingseyeliner, wenn nötig Abdeckstift. Ich genieße das sehr! So kann ich ohne Weiteres durch die Drogerie laufen und komme gar nicht erst in Versuchung etwas Neues auszuprobieren, weil ich weiß, dass ich das für mich Beste schon gefunden habe.

Genau das möchte ich gerne auf mein restliches Leben ausweiten. Und hier kommen meine Regeln:

Das ist erlaubt:

  • Lebensmittel kaufen
  • Nachkaufen, was leer ist
  • Reisen/Zugfahrten
  • Geschenke kaufen
  • Konzerte/Besondere Veranstaltungen. Ich möchte nicht bereuen, eine coole Veranstaltung zu verpassen, nur weil gerade No Buy Year ist. Außerdem sind solche Erlebnisse ja fürs Leben und nicht für den schnellen, materiellen Kick.
  • OK ist alles rund ums Thema Lernen/Weiterbildung. Dazu gehört dann hoffentlich auch wieder das Litcamp Hamburg.
  • Und natürlich: Wenn der Umzug ansteht, muss ich kurz „Pause“ drücken, denn wir werden Möbel brauchen, Wände streichen müssen, etc. Aber auch da werde ich versuchen bewusst zu schauen und lieber mal im Trödelladen einkaufen, wenn was fehlt.
  • 1x im Monat mit Freunden essen gehen ODER Essen bestellen. Beides mache ich seltener als das, aber diesen „Joker“ nehme ich trotzdem mal mit auf. Genauso ist es erlaubt, mit Freunden Kaffee trinken zu gehen. Aber ich glaube, ich brauche hier keine strikte Regelung, weil ich das eigentlich auch jetzt ganz gut im Griff habe und das eher selten mache.

 

Das ist nicht erlaubt:

  • Kleidung kaufen. (Außer es fällt in die Kategorie „Nachkaufen, was leer ist“ und damit kaputt ist. Aber auch dann überlegen: Brauche ich wirklich Ersatz?)
  • Kosmetik
  • Schmuck/Accessoires
  • Bücher. Das wird das Schlimmste. Eine Leihbücherei ist übrigens keine Alternative, weil unsere Bücherhallen a) eher teuer sind und b) die Öffnungszeiten mit meinen Arbeitszeiten kollidieren. Und ich will mir nicht noch einen Stressfaktor schaffen, weil Bücher bis zum Tag X gelesen und zurückgegeben sein müssen. Also nö.
  • Dekokram
  • Apps. Das heißt ich werde 2020 auch nicht das Abo für meine Meditations-App „Calm“ verlängern. Ich hoffe ich finde guten, kostenfreien Ersatz (Tipps nehme ich gerne an!).

 

Hier hadere ich noch:

  • Digitale Videospiele für die Switch. Es gibt manchmal wirklich coole Angebote für Spiele, die ich schon lange auf der Wunschliste habe. Mein Freund hatte die Idee, dass ich hier ein Budget festlegen könnte. Ich denke noch drüber nach …
  • Alkohol. Ich habe schon gehört, dass einige im No Buy Year eben auch auf Luxussachen wie Wein und Co. verzichten. Auch diese Idee finde ich gut, aber ich genieße leider hin und wieder so gerne mal ein Glas Wein zum Buch. Vielleicht überlege ich mir hier auch mal ein kleines Budget.
  • Audible. Ich habe ein Abo für Hörbücher und bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich es ganz kündige oder jeweils immer eine Pause einlege.

 

Was verspreche ich mir vom No Buy Year?

Natürlich hoffe ich, dass ich ein bisschen Geld sparen kann, was ich dann in meinem Traum von der Bibliothek, … okay Lesezimmer, … okay coolen Lesesessel investieren kann. Und dass ich natürlich für den Umzug sparen kann. Das Jahr 2020 steht für mich unter dem Motto „Lernen“, weil ich mich weiterbilden möchte und auch das ist alles nicht kostenlos. Ich hoffe, dass ich mir so eher den einen oder anderen Workshop leisten kann.

Wenn ich keine neuen Bücher kaufe, hoffe ich, dass ich so manche Schätze in meiner Bibliothek (wieder)entdecke. Dadurch, dass ständig neue dazukommen, stehen einige Bücher schon viel zu lange in der Wartschlange, um endlich gelesen zu werden. Außerdem möchte ich gar nicht wissen, wie viel Zeit drauf geht von 1. ich höre/lese von einem interessanten Buch, 2. ich recherchiere, schaue nach Rezensionen, 3. ich schaue, wo ich es kaufen könnte und checke, ob es das auch gebraucht gibt … bis ich es dann endlich lese.

Wenn wir uns in den letzten Jahren gemeinsam für die Konsumauszeit im November motiviert hatten, fand ich es immer total befreiend, dass ich all die Angebote auf Amazon und Co. zu der Zeit ignorieren konnte. Ich musste nie mit mir hadern, ob ich XY nicht doch gerne hätte und das dann mit mir ausdiskutieren. Es kam einfach gar nicht infrage, Punkt. Wenn sich dieses Gefühl auf ein Jahr ausbreitet, dann bin ich gerne dabei.


Wenn euch das Thema interessiert, werde ich versuchen, euch auf dem Laufenden zu halten. Und vielleicht ist spätestens im März auch alles hinfällig. Ich hoffe jedenfalls nicht, denn ich bin echt motiviert.

 

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