Bücher

Vor Gebrauch schütteln

25. Oktober 2011

Da war ja noch die Lesung, von der ich berichten wollte! Heinz Rudolf Kunze war nämlich in der Stadt, um aus seinem Buch “Vor Gebrauch schütteln” zu lesen. Da es einige Lieder von ihm gibt, die ich sehr genial finde, war ich schon ganz gespannt darauf, was er wohl so schreibt. Die Lesung war übrigens auch deshalb ganz toll, weil er seinen Gitarristen dabei hatte, der zwischendrin experimentelle Gitarrenmusik gemacht hat. Eine perfekte Mischung! Und zum Schluss hat auch noch selber zur Gitarre gegriffen.

Was ich allerdings von dem Buch halten soll, weiß ich noch nicht so ganz. Es steht nämlich drauf “Kein Roman” und das ist es auch. Es sind eigentlich eher Beobachtungen, Gedanken und Kommentare, die alle mehr oder weniger zusammenhanglos sind. Einiges ist sehr treffend, manches eher konfus und vieles wird mir wohl nicht lange im Gedächtnis bleiben. Themen sind Musik, Politik, Gesellschaft, und vor allem der Fernsehzirkus bekommt sein Fett weg. Der misanthropische Unterton ist dabei teilweise kaum auszuhalten. Was mich dann auch irritiert hat ist, dass Kunze auf der Lesung eine Textstelle vorgelesen hatte, die ich total schön fand und die mir sehr nahe gegangen ist – und nun habe ich die gar nicht im Buch gefunden! Ob ich das nur überlesen habe? Kann ich mir kaum vorstellen.. Naja, jedenfalls ein Grund das Buch bald noch einmal zu lesen. Vielleicht hinterlässt es dann auch einen intensiveren Eindruck.

Hier noch eine Textstelle, über die ich mich sehr gefreut habe. Ratet mal warum.. 😉

Ich hätte nicht übel Lust, ein Leben zu führen wie Sherlock Holmes oder Doktor Watson, welcher von beiden wäre eigentlich egal, ein ewiges Zwiegespräch, die Welt als Kriminalfall, unangefochten von Alltäglichem, Pfeifenrauch vor Bücherregalen voller lederrückiger Kostbarkeiten, Baker Street, Nebel als Scherenschleifer des teilnahmslosen Blicks, immer und überall London in stillgestellter Zeit, und dann der letzte, unmögliche Wunsch: sich selber lesen zu können in der Geschichte, die man ist. (S. 129)

Hach!

Nun ist mein Bücherregal jedenfalls um noch ein signiertes Schätzchen reicher und ich konnte sogar noch ein paar Worte mit dem großartigen Herrn Kunze wechseln.

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